Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln
Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln

"Aber die Wohnung behalte ich"

Wenn man aus den Fenstern der beiden Zimmer schaute, dann gab es da nur eine ganz alte Ziegelsteinmauer - solange das Auge reichte. Es war damals der Blick aus dem Hinterhaus der Bartelstr. 99 in Köln Ehrenfeld - auf das nächste Hinterhaus. Daneben seinerzeit noch ein Trümmergrundstück. Der Krieg war ja erst 24 Jahre vorbei.

Eigentlich wäre mein Vater damals in Köln geblieben, aber seinen ersten Job (damals sagte man noch: 'Anstellung') bekam er in Waldbröl, im Oberbergischen Kreis. Zum Studium bin ich dann wieder nach Köln gezogen. Meine erste Wohnung fand ich genau hier. Wie er daran gekommen ist? Keine Ahnung, wohl über alte Bekannte. Es war eine Zweizimmerwohnung in einfacher Ausstattung. Nie wieder habe ich so viele alte Tapetenschichten übereinander gesehen - und so hohe Decken. Die Miete in Höhe von 34,72 DM war sensationell. Sicher: Die Wohnung war nicht sonderlich groß, die Ausstattung bescheiden. Aber ihr verstorbener Mann habe festgelegt, dass die Mieten im Haus nicht erhöht werden sollen, so die Vermieterin. Umgerechnet lag die Miete also bei ca. 17 €, die Quadratmetermiete also bei unter 50 Cent.

Es wurde 1969 fast überall in den Altbauten noch mit Braunkohlebriketts geheizt. Es war also die Kaltmiete einschließlich der Nebenkosten wie Wasser, Müllabfuhr. Den Ofen kaufte man selbst und die Briketts lagerten im Keller. Das war schon eine Umstellung, denn aus dem elterlichen Einfamilienhaus kannte ich nur die früher übliche Ölheizung im Keller für Warmwasser und Heizung. Aber nach kurzer Zeit habe ich gelernt, dass man selber für die Wärme verantwortlich ist. Dazu gehörte das Bestellen der Briketts, das Aufstapeln im Keller, das geschickte Befüllen des Ofens mit Briketts ... mal ganz wenig, denn in der Nacht durfte es ja nicht so heiß sein, mal entsprechend mehr, wenn es draußen bitter kalt war. Wenn die Briketts in der Nacht nicht so schnell durchglimmen sollten, so müsse man sie mit Zeitungspapier umwickeln, so erzählten mir Nachbarn.

Und das Entfernen der Asche musste in einem Zustand geschehen, der nicht die Konsistenz der Mülltonnen beeinträchtigte. Obwohl die Standard-Mülltonnen aus Blech waren, durfte in der Asche nichts mehr glimmen, denn es waren Einheitsmülltonnen - egal ob Asche, Glas, Essensreste, Plastik oder Papier und Pappe - alles kam rein. 

Die Fenster waren einfachverglast und nicht ganz dicht. Im Winter solle ich immer ein Handtuch auf die Fensterbank legen, so die alte Vermieterin, Frau Marquart. Das hatte den Vorteil, dass es weniger "reinzog", zum anderen sammelte sich so das Wasser, das vom beschlagenen Fensterglas "runterlief".

 

... in Arbeit ...

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© Klaus Kirschbaum