Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln
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Rossewitz

Erhalten ist heute ausschließlich das marode Schloss selber; es gibt weder Nebengebäude noch Park.

Normalerweise ist das Schloss Rossewitz kaum zu finden ... es liegt gut versteckt. Und wenn man es findet, gibt es einen kaum zu überwindenden Stacheldraht. Mein dritter Bsuch war besser vorbereitet - schließlich gibt es den "Tag des Offenen Denkmals" - und dann ist auch hier geöffnet. 

So weit 'Schlie', Bd. 1, S. 465 ff.; die Stiftung Deutscher Denkmalschutz notiert: "Bereits im Mittelalter befand sich anstelle des heutigen Schloss Rossewitz, nordöstlich von Güstrow, eine Burg. Dieser einsam in einer Senke zum Tal der Recknitz errichtete Bau wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der Architekt Charles Philippe Dieussart (1625-1696) errichtete für Johann Heinrich Vieregge ein neues Schloss, einsam in einer Senke zum Recknitz-Tal gelegen. 1657 trat Dieussart seine Tätigkeit als Hofbaumeister in Güstrow an, erste Planungen mögen etwas früher stattgefunden haben, denn Archi-tekt und Bauherr standen seit der Bestallung Vieregges am Güstrower Hof um 1655 in Verbindung. 1682 gab der aus Holland stammende Hugenotte Dieussart das Buch "Theatrum Architecturae civilis" heraus, das als berühmtes architektonisches Traktat seiner Zeit mehrfach neu aufgelegt wurde. Hierin ist Schloss Rossewitz behandelt, was seine Fertigstellung in den Jahren davor wahrscheinlich macht. Nach dem Konkurs der Vieregges um 1760 übernahm die Herzogliche Kammer Schloss und Gut und unterhielt es bis 1847. Danach wurde es nur notdürftig instand gehalten und kaum genutzt…

Über einem flachen Sockel erhebt sich in zwei Voll- und zwei jeweils darüber liegenden Mezzaningeschossen der verputzte Ziegelbau in neun Achsen, wobei die zentralen drei Achsen zu einem Risalit mit Pilastern zusammengefasst sind und von einem Dreiecksgiebel bekrönt werden. Das Hauptportal ist durch ein Allianzwappen ausgezeichnet, die Hauptgeschossfenster am Risalit weisen Dreiecks- und Segmentgiebel im Wechsel auf, das obere Mezzaningeschoss wird durch Ochsenaugen belichtet. Quaderungen betonen die Ecken des stattlichen Baus, und ein umlaufender Fries aus rotem Ton zeigt Kriegsgerät aller Art aus der Erbauungszeit. Ein Walmdach mit Gauben bildet den Abschluss. An der rückwärtigen Gartenseite springen zwei seichte Flügel vor, die die fünfachsige Gartenfront rah-men, wo sich eine Terrasse mit Steinbalustern befindet. Im Inneren ist der über beide Obergeschosse reichende Festsaal mit illusionistischen Architekturmalereien versehen, zur Erbauungszeit vermutlich von italienischen Künstlern geschaffen. Über den Türen befinden sich Medaillons mit arkadischen Landschaftsbildern von Johann Friedrich Fechhelm (1746-94) aus den 1780er Jahren.

Der Niedergang von Rossewitz begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Zeitlang diente der Prachtbau noch als Unterkunft für Flüchtlinge, und 1973 nutzte die DEFA den Festsaal für Drehar-beiten. In Vorbereitung dessen wurden die Wandmalereien provisorisch konserviert. Danach stand das Schloss endgültig leer. 1982 stürzte das Dach ein, die kostbaren Geschossdecken mit ihrem Stuck wurden hierbei zerstört. Schnell zog man einen Abriss der Anlage in Betracht, der glücklicherweise 1986 mit der Errichtung eines Notdachs vorerst gestoppt werden konnte. Mit der Wende kam dann Rettung für das Denkmal: Von 1994 bis 2000 stellte die Stiftung kontinuierlich Mittel für die Sicherung des Bestands und die Sanierung des Daches zur Verfügung, insgesamt einen hohen sechsstelligen Betrag. Das Schloss gilt nicht nur als erstes großes Bauvorhaben nach dem 30jährigen Krieg, sondern gleichzeitig als erstes Barockschloss in Mecklenburg und ist somit für die Architekturgeschichte Norddeutschlands von besonderer Bedeutung."

Hier einige Fotos vom Zustand bei meinem letzten Besuch 2014. Noch viel Sanierungsarbeit wartet - aber immerhin ist das Dach und der Boden des obersten Geschosses "neu" - und noch ist nicht jeder Boden 'fertig'. Die ehrenamtliche Notarbeiterin, die hier einen halben Tag opferte, zeigte mir mehrere Stellen, die 1945, als "das Schloss von der Roten Armee zur Plünderung freigegeben wurde", ausgeschlachtet wurden ... und als alle Metalle fehlten, fehlte es vielfach an Halt, ein Teufelskreis. Der Höhepunkt der erneute Einbruch des Daches in den 80-er Jahren und der drohende Abbruch des ganzen Hauses.

An einigen Stellen wurde schon mit der Detailarbeit begonnen ...

Von der ursprünglichen Ausstattung ist nicht mehr viel zu finden ...

Ach ja, wenn einmal das Haus zur Besichtigung geöffnet ist, dann kann man auf der Wiese direkt davor parken.

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© Klaus Kirschbaum