Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln
Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln

Der erste Besuch war Zufall, aber seit Mitte der 90-er Jahre zieht es mich immer wieder nach Mecklenburg-Vorpommern - und Freunde fragen gelegentlich: Willst bald ganz dahin ziehen? Natürlich nicht! Aber zwischen Oster- und Herbstferien ist es im Norden einfach "schöner" ...

McPomm ist eben ganz anders als Köln, eher das Gegenteil:

 

Hier sind die meisten Gebäude nach dem 2. Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut worden, doch gerade Geschäftshäuser oder Gebäude der öffentlichen Hand "entsprechen" meist schon nach wenigen Jahrzehnten "den Anforderungen nicht mehr". Die Schildergasse oder die Hohe Straße bieten da jederzeit Anschauungsunterricht! Es wird ständig abgerissen und wieder neu aufgebaut. Aber auch Wohnungen werden abgerissen und durch neue teurere  Wohnungen ersetzt. Das erleben wir heute in vielen Kölner Stadtteilen, ob jetzt im Laurenz-Carré, in Klettenberg (Geisbergstr. 47 - 53), in Stammheim in der Egonstraße oder in der Vergangenheit im Agnesviertel (Bernhard-Letterhaus-Straße) ... Preiswerter Wohnraum wird erst nicht gepflegt und dann abgerissen ...

 

In Mecklenburg-Vorpommern gab es kaum Zerstörungen, nicht nur Gutshäuser oder Kirchen sind als Denkmale erhalten, auch gewöhnliche Wohnhäuser oder Speicher. 'Dat bliwt allens so, as dat is', so ein (auch vielverspotteter) mecklenburgischer Spruch. So findet man hier vor allem Kirchen, die sind so alt wie der Kölner Dom, aber die letzte bauliche Veränderung liegt schon 150 Jahre zurück (meist eine Gefallenenehrentafel des Kriegs 1870/71 in der Nähe der Kanzel oder nach den napoleonischen Kriegen 1815), da war der Kölner Dom noch nicht fertiggestellt. Vor allem der Stiftung deutscher Denkmalschutz hilft hier Altes zu erhalten. Und selbst unbewohnte Gebäude haben alle Zeit der Welt, um in aller Ruhe in sich zusammenzufallen. Das Gutshaus in Kambs fotografiere ich jedes Jahr, hier ein interessanter Zwischenstand. Inzwischen ist die 3-Fenster-Front ganz eingestürzt ...  und Anfang 2020 fand ich im Netz diese Verkaufsanzeige für das halb eingefallene Gutshaus in Kambs: Verkaufspreis 15.000 €!

Und dann gibt es vier Quellen, die der "Fan" haben muss, bevor es auf eine Rundreise in die Geschichte des Landes geht:

Renate de Veer: Steinernes Gedächtnis, Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern, o.J.  www.steinernes-gedaechtnis.de   Aus der ursprünglich lediglich als Dissertation geplanten Veröffentlichung wurden im Laufe von 15 Jahren fünf großformatige Bänder mit bis zu 650 Seiten ... Architektur als historisches Gedächtnis. Die Bände 3 - 5 sind derzeit nicht mehr lieferbar.

Friedrich SchlieDie Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, 1896 - 1902 (Bände I - V)

-  Georg KrügerDie Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. 2 Bände in 4 Teilen. 1921–1934

Drucksache 2/28802. Wahlperiode 11.08.97, UNTERRICHTUNG durch die Landesregierung, Bericht über die Erstellung der Denkmallisten sowie über die Verwaltungspraxis bei der Benachrichtigung der Eigentümer und Gemeinden sowie über die Handhabung von Änderungswünschen (Stand: Juni 1997) ... auf 453 Seiten sind ca. 11.000 denkmalgeschützte Gebäude mit Adressen, sortiert nach den (ganz alten) Landkreisen.

 

Mit diesem dicken Ordner, den 5 Bänden von Renate de Veen sowie der DVD mit den neun digitalisierten Bänden von Schlie und Krüger im Laptop kann man sich - und ausgestattet mit der entsprechenden Wanderkarte 1 : 50.000 oder besser - getrost auf die Reise machen ...

Bei den mehr als 3.500 Dörfern und Städten verliert man leicht den Überblick - zumal etliche Namen mehr als einmal vorkommen ... Dazu hier ein Überblick

Im Zusammenhang mit "Corona" und den damit verbundenen Urlaubsbeschränkungen im Sommer 2020 hat das ZEIT-Magazin am 10. Juni 2020 unter der Überschrift Heimaturlaub 43 Urlaubsziele in Deutschland vorgestellt - 6 davon in McPomm, die unten aufgeführt sind. Teile davon kenne ich - aber vor 20 Jahren wären mir diese Hinweise lieber gewesen ... 

Schwimmen und Spinat pflücken im Fürstenberger Seenland

 

Berlin-Flüchtige kennen Fürstenberg an der Havel eher als Durchgangsort. Das ist schade, denn schon die Hauptstraße hat ihre Vorzüge: Die Bäckerei Eckert gehört zu den trutschigsten der Republik (die Splitterbrötchen probieren), und das Kaffeehaus Nazarenko Miroslava serviert sehr gute selbst gebackene Torten. Kanuausflüge bieten sich an in mehrere Himmelsrichtungen. Der Peetschsee hat nur fünf oder sechs nennenswerte Liegebuchten, dafür hat man ihn an einem Dienstagvormittag schon mal für sich allein. Nur über eine sandige Waldstraße zu erreichen: die schön am Kanal gelegene Ziegenkäserei Capriolenhof. Das bei Berliner Stadtmenschen beliebte Forsthaus Strelitz (Restaurant und Pension) liegt schon knapp in Mecklenburg. Andere Übernachtungstipps: im Bahnhof Fürstenberg. Oder auf dem Naturcampingplatz am Ellenbogensee (familienfreundlich, was Kompliment und Warnung zugleich ist). Richards Wild verkauft in Dannenwalde bestes Wildfleisch. Die Französin Aurore Koch backt die mitunter salzigen Kuchen für ihr Café Bric à Brac auf Gut Zernikow selbst. Und neulich hat der Biohof Kepos in Altglobsow eröffnet (Spinat zum Selberpflücken). Fürstenberg erwacht! Traurig hingegen: Bei Fürstenberg liegt auch das ehemalige KZ Ravensbrück. Hier waren vor allem Frauen inhaftiert. Einen halben Tag sollte man für die Gedenkstätte einplanen.

 

Laufstrecke mit Aussicht

 

Morgens, wenn die anderen noch frühstücken, oder abends, wenn sie in den Restaurants vor ihren Fischtellern sitzen, beginnt am Ahrenshooper Strand auf dem Darß die wohl schönste Laufstrecke Deutschlands – erst die Wasserlinie entlang in Richtung Wustrow, dann ab Höhe Grenzweg bis zur Seebrücke weiter auf dem Hochufer, mit einem so atemberaubendem Blick über die Ostsee, dass man unwillkürlich beginnt, zu juchzen und zu singen. Nach vorne schauen sollte man trotzdem. Das Hochufer bröckelt Jahr für Jahr weiter ab; nicht ohne Grund warnen Schilder davor, das Wegstück mit der allerbesten Aussicht zu benutzen …

 

Zu Fuß und zu Wasser von Warnemünde nach Hiddensee

 

Zwischen der Unterwarnow und dem pommerschen Archipel des Mare Balticums liegen 70 Kilometer Wanderstrecke, drei Fähren und der Bodden. Verirren kann man sich auf dieser Sieben-Tage-Wanderung nicht, die Ostsee weist den Weg. Start ist in Warnemünde, von wo die Hafenfähre zur Hohen Düne übersetzt, dann sieben Kilometer am Wassersaum bis Markgrafenheide. Das dortige Dünenhotel trägt seinen Namen zu recht. Über Dierhagen geht es in zwei Etappen zur Jugendherberge Born-Ibenhorst. Der Marsch dorthin durch die untergehende Sonne führt vom Meer weg, wird aber am nächsten Morgen auf dem Alten Mecklenburgerweg belohnt: Der kürzt ab und führt durch den Darßer Urwald bis Prerow und wieder am Wasser lang bis zur Seebrücke von Zingst, wo es bei Futter Kutter Zingst eine gute Scholle gibt und die Fähren ablegen. Etwa drei Stunden dauert die Überfahrt durch den Bodden nach Vitte auf Hiddensee, beste Adresse dort: das Hotel Godewind. Die Heimreise kann man per Fähre nach Stralsund antreten.

 

Radeln von Güstrow nach Waren an der Müritz

 

Wir lehnen die Räder morgens an den alten Güstrower Dom, um drinnen den Schwebenden Engel von Ernst Barlach zu sehen. Wieder draußen geht es zum nahe gelegenen Schloss Güstrow und durch die kopfsteingepflasterte Altstadt. Dann machen wir uns auf den Weg nach Waren an der Müritz, 75 Kilometer liegen vor uns. Die Tour ist gut ausgeschildert, nur hat sie es in sich, viele sanfte und ein paar fiese Hügel, auch Schotter und Sand, doch dann ist es wieder so lieblich – im Dorf Kirch Rosin, im Gutshotel Groß Breesen. Endgültig in eine andere Welt gelangen wir in Alt Sammit, dort liegt ein Klinkerschloss, das heute Ferienwohnungen beherbergt, aber total an die preußische Gutsvergangenheit erinnert. Man könnte die Tour hier unterbrechen, es ist gut die Hälfte geschafft, aber wir umrunden lieber den nördlichen Teil der Krakower Seenlandschaft und tauchen noch einmal in einen Wald ein, so groß, dass wir fast eine Stunde fahren, bevor wir sein Ende erreichen.

 

Hofurlaub am Neuklostersee

 

Im Seehotel am Neuklostersee heißt die Pool-Area noch Badescheune, das Spa Wohlfühlhäuschen. Das Hauptgebäude ist ein umgebauter Rotklinker-LPG-Hof. Dass das Urige auch schick ist, erklärt sich vielleicht durch die Besitzer: Die Architektin und geborene Linzerin Johanne Nalbach hat sich hier, in Nordwestmecklenburg, mit ihrem Mann ein Stückchen Heimat in der Ferne gebaut – sie vermisste die österreichische Wirtshauskultur. "Das Seehotel ist ein lieber Ort", sagt sie. "Hier spielt sogar der Hofhund mit dem Schaf." Ihr Lieblingsplatz ist auch meiner: der Steg. Links und rechts wuchert Schilf, daneben liegen Paddelboote. Auf der Bank kann man ruhen und ab und zu in den kühlen See springen. Allem entfliehen und gleichzeitig ankommen, das geht hier gut.

 

Vom Bett an den Steg im Feldberger Seenland

 

Der Schriftsteller Hans Fallada lebte ein Leben zwischen Sanatorien und Gefängnissen, depressiv und morphiumsüchtig. Nur am Ufer der Feldberger Seen in Mecklenburg-Vorpommern fand er phasenweise zu sich. Wer einmal dort war, ahnt, warum. Grün liegen die Seen zwischen Rotbuchenwäldern und Kornblumenwiesen, spätestens die Rufe von Damhirschen und Fischadlern verscheuchen letzte Homeoffice-Sorgen. Ein guter Ausgangspunkt zum Paddeln, Wandern oder Liegenbleiben ist das Hotel Lichtenberg am Breiten Luzin. Dort gibt es Terrassenfrühstück, einen Bootsverleih und zwei Minuten Fußweg von Bett bis Steg. Der sagenhafteste See ist aber der Schmale Luzin. Am östlichen Ufer, an das eine handbetriebene Seilfähre übersetzt, liegt der Hullerbusch, ein Wanderweg führt auf die Spuren von Falladas missmutigem Dachs Fridolin. Und wer da immer noch nicht eins wird mit der Natur: Im Feldberger Fischladen oder in der Fischerhütte auf dem Amtswerder gibt es fangfrische Maränen.

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© Klaus Kirschbaum