Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln
Willkommen bei Klaus Kirschbaum in Köln

Kittendorf

Ursprünglich Gutsensemble mit Herrenhaus (Schloss), Wirtschaftsgebäuden, Scheunen, Ställen, Kirche, Mühle usw. ... aber nur teilweise erhalten.

Es ist unglaublich ... zwischen den Fotos aus den letzten Jahren und den Abbildungen in 'Schlie', Bd. 5, S. 203 ff. liegen 150 Jahre - keine Veränderungen!

Die Geschichte Kittendorfs ist eng mit der Zerstörung von Kulturgütern verbunden:

Zu DDR-Zeiten hatte die Bausubstanz der Gutshöfe seit 1945 gelitten. Vorrang hatten 'Neubauten'. 1999 ließ die 'Treuhand' (Treuhand Liegenschaftsgesellschaft) im Rahmen eines „Schandflecken-Beräumungs-Programms“ die Reste des historischen Gebäudeensembles abreißen. "Kittendorf verlor durch diese Vernichtung von insgesamt zwölf historischen Bauten seine ursprüngliche Ansicht als gewachsenes Gutsdorf," so die Berichte, die leider jetzt nicht mehr im Netz zu finden sind. Dafür ist unten der Offene Brief an der damaligen Ministerprädidenten Ringstorff erhalten und unten aufgeführt. 

Gegen die Zerstörung der Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns

Offener Brief an den Ministerpräsidenten Dr. Harald Ringstorff

Woldzegarten, den 2.IX.1999


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident !

Am 5.August 1999 ist an einem Tag das über 300 Jahre alte Gutshaus von Kittendorf abgerissen worden. In den Jahren davor ist die gesamte Gutsanlage, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, dem Erdboden gleichgemacht worden. Es waren 12 historische Gebäude von überwiegend gut erhaltener Bausubstanz. Sie standen nicht unter Denkmalschutz oder waren vom Landkreis Demmin für den Abriss daraus entlassen worden.

Wir nehmen diese Zerstörungstat zum Anlass, um – zum dritten Mal innerhalb von 5 Jahren – an die Landesregierung den Appell zu richten, dem stattlich geförderten Vandalismus in Mecklenburg-Vorpommern Einhalt zu gebieten.

Mecklenburg-Vorpommern ist eines der führenden Urlaubsländer in Deutschland. Die Natur, die Landschaft und das kulturelle Erbe machen das Land für Besucher aus großstädtischen Ballungsgebieten attraktiv. Dorfkirchen, Alleen und historische Gutsanlagen prägen bis heute den unverwechselbaren Charakter der mecklenburgisch-vorpommerschen Kulturlandschaft.

Es gibt eine große Anzahl positiver Bestrebungen zur Sanierung und Nutzung alter ländlicher Bausubstanz, vor allem für kulturelle Zwecke. Wir begrüßen die vielfältigen Bemühungen von Landesregierung, Landkreisen und Privatinitiativen zur Pflege des reichen Natur- und Kulturerbe dieses Landes.

Um so betroffener sind die Unterzeichner über die fortschreitende Zerstörung ehrwürdiger historischer Gutsanlagen. Kittendorf ist nur ein Beispiel. Bauten und Anlagen, die 40 Jahre DDR – wenn auch in schlechtem Zustand – überlebt haben, werden jetzt aus kurzsichtigem Geschäftsinteresse planmäßig zerstört. Damit wir wird ein wesentlicher Teil der Identität dieses Landes liquidiert.

Eine Allianz aus TLG, BVVG, Beschäftigungsgesellschaften, Abrissfirmen und möglicherweise dahinter stehenden Immobilienverwertern vergreift sich – wie im Falle Kittendorf – an intakten, aber nicht unter Denkmalschutz stehenden Anlagen und an gefährdeten Gutshäusern, die vor weniger Jahren noch zu retten gewesen wären, wie Basepohl oder Groß Varchow. Drei Untaten der letzten drei Jahre in einem Umkreis von kaum 20 Kilometern !

Was schon vor 4 bis 5 Jahren unter dem Namen „Schandfleckenberäumungsprogramm“ bundesweit für negative Schlagzeilen und eindringliche Proteste sorgte (Erklärung von Tellow 1994/95, Satower Appell 1995), wird nun unter der zynischen Bezeichnung „Landesverschönerungsprogramm“ mit unverminderter Rücksichtslosigkeit fortgesetzt.
Bestürzend ist besonders die Tatsache, dass nicht in erster Linie die LPG-Betonbauten aus der DDR-Zeit beseitigt werden, sondern wertvolle, oft über 200 Jahre alte Anlagen. Was nicht gleich abgerissen wird, wird mutwillig beschädigt, um es alsbald besser begründet abreißen zu können.

Wir fordern Sie, Herr Ministerpräsident, und alle Verantwortlichen des Landes Mecklenburg-Vorpommern auf:

1. Beenden Sie den Abriss von historischen Bauwerken, die vor 1945 entstanden sind! Auch wenn diese nicht unter Denkmalschutz stehen, sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil der historischen Kulturlandschaft des Landes. Legen Sie Ihr Veto ein gegen die Zerstörung dieser Kulturlandschaft !

2. Sorgen Sie dafür, dass die umfangreichen Mittel und die zahlreichen Arbeitskräfte, die jetzt für Zerstörung missbraucht werden, statt dessen für Erhaltung, Sicherung und Reparatur, Inventarisation und Dokumentation historischer Bauwerke und kulturgeschichtlicher Landschaftselemente eingesetzt werden. Sorgen Sie für Aufklärung und Anleitung der beschäftigten Hilfskräfte durch qualifizierte und kulturbewusste Fachleute!

3. Lassen Sie nicht zu, dass in Ihrer Amtszeit die über Jahrhunderte gewachsene Schönheit des Landes durch kurzsichtige, kommerzielle Interessen kaputt gemacht wird. Beenden Sie den bewusst herbeigeführten Verfall und die staatlich geförderte Zerstörung historischer Gutsanlagen! Fördern Sie deren Erhaltung und Sicherung, Nutzung und Umnutzung!

Wir wiederholen und bekräftigen die Erklärung von Tellow und den Satower Appell: Setzen Sie der Zerstörung ein Ende! Erhalten Sie künftigen Generationen das landschaftliche und kulturelle Erbe von Mecklenburg-Vorpommern! Retten Sie die Kulturlandschaft dieses Landes!

Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Prof. Dr. Diethart Kerbs, Dr. Hans Dieter Knapp, Dr. Robert Kreibig

Erstunterzeichner:
Dr. Sibylle Berger, Kunsthistorikerin, Venz Hof
Prof. Jörg Boström, Fotograf und Maler, Lansen
Prof. Dr. Detlef Czybulka, Jurist, Rostock
Dr. Lebrecht Jeschke, Diplom-Biologe, Greifswald
Prof. Dr.Diethart Kerbs, Kulturhistoriker, Lansen
Dr. Hans Dieter Knapp, Diplom-Biologe, Kasnevitz
Dr. Robert Kreibig, Psychologe, Woldzegarten
Stephan Pulkenat, Gartenarchitekt, Gielow
Sophie Schleußner, Kulturmanagerin, Lansen
Hans Schmalisch, Realschullehrer, Lehsten
Prof. Dr. Michael Succow, Diplom-Biologe, Greifswald
Ludwig Wegener, Pastor, Groß Varchow

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© Klaus Kirschbaum